Häufige Fragen Rund um´s Zahnmobil

Sollte Ihre Frage nicht dabei sein, schreiben Sie uns eine E-Mail und wir beantworten Sie Ihnen gerne!

Die Grundidee ist die Umkehr der Zugänglichkeit für pflegebedürftige Menschen in stationären Einrichtungen zu einer gleichwertigen und umfassenden zahnärztlichen Versorgung unter gleichen medizinischen Fach- und Hygienestandards wie im bekannten Praxisumfeld. Ärzte und Assistenzpersonal kommen zur Diagnostik und Therapie mit der Praxisausstattung zum Patient. Dadurch können erhebliche Kosten und Aufwand an Krankentransporte für das Gesundheitssystem eingespart werden, bei gleichzeitiger Entlastung des Pflegepersonals. Anfang 2018 waren in Rheinland-Pfalz 451 Alten- und Pflegeheime nach SGB XI mit durchschnittlich 110 Bewohner gelistet (- ca.48.T Menschen). Bislang werden nur 205 Einrichtungen von Kollegen betreut, keiner der Kollegen besitzt/betreibt eine Versorgungsmöglichkeit, die eine praxisäquivalente Behandlung und Betreuung ermöglicht.

Aktuell wird der Patient in der Einrichtung nur dann gesehen, wenn von ihm Beschwerden geäußert werden, oder der Hausarzt/Heim-Zahnarzt ein Problem feststellt. In der Regel ist dann ein Krankentransport des pflegebedürftigen Menschen oder Menschen mit Behinderung in eine Praxis oder klinische Einrichtung notwendig. Solche Transporte lösen bei alten und verwirrten Menschen großen Stress aus und werden daher häufig Seitens Angehöriger und Betreuer mit dem Verweis auf die Belastung, Gesundheit und das Lebensalter der Patienten abgelehnt.

Durch die Umkehr der Wege wird diese Belastung durch den Transport des Patienten, Begleitung durch Pflegepersonal, zeitlich sowie personell minimiert und die medizinische Versorgung absolut verbessert. Mit dem Zahnmobil, einer mobilen Behandlungseinheit im 7m langen Container steht uns das gleiche Umfeld eines operativen Eingriffraumes wie in einer Praxis, inkl. Narkose- und Überwachungsplatz, zur Versorgung der Patienten zur Verfügung. Nach der Triage der Bewohner werden wir zu bestimmten Tagen von einem erfahrenen Anästhesieteam begleiten, so dass die Patienten nicht mehr die umständlichen Transporte auf sich nehmen müssen.

Erstes Ziel ist die Herstellung und Verbesserung der zahnärztlichen und chirurgischen Versorgung von alten und pflegebedürftigen Menschen in Alten- und Pflegeheimen mit denen die Praxis einen Kooperationsvertrag nach SGB V §119b geschlossen haben.

Als zweites Ziel wollen wir die gleichwertige zahnärztlichen und chirurgischen Versorgung von Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung in Behindertenwohn- und Pflegeeinrichtungen in Anlehnung an den §119b des SGB V aufbauen.

Dabei können wir die Betreuung ganz übernehmen oder abreiten auch gern mit ortsansässigen Kollegen zusammen, die die Routinekontrollen und Sichtungen vornehmen und uns für die gesammelten komplexeren Fälle hinzuziehen.

Ein Hausbesuch vor der eigenen Wohnung ist auf Grund gesetzlicher Vorgaben und aufwendigen Logistik für den Einzelfall nicht möglich.

Aktuell sind wir in der Hochphase des Containerbaus und die Triage der Bewohner in 5 Alten- und Pflegeheimen mit der Planung der ersten Einsätze des Zahnmobil. Im Februar erfolgt der Innenausbau und die Abnahme. Im März werden wir die erste Erprobung durchführen, Abläufe einüben ggf. Kinderkrankheiten beseitigen. Der reguläre Einsatz beginnt dann ab Anfang April.

Herr Dr. Christoph Blum hat die Fahrerlaubnis CE 2001 im Rahmen der allgemeinen Wehrpflicht in der 5./ des Transportbataillon 370 in Diez erworben und für das Projekt erneuert. Weiter haben wir zwei engagierte Pensionäre die uns unterstützen und den LKW mit Container zum Einsatzort bringen und abholen.

Der LKW ist ein Abrollkipper von MAN, Typ TGS 26.440 – 26to zGG und rund 9m lang, mit am Haken abgesetztem Container benötigen wir eine Stellfläche von rund 20m. Der Container bietet innen eine Fläche von 6,30m auf 2,15m bei einer Deckenhöhe von 2,20m. An der Stirnseite befindet sich der zahnärztliche Behandlungsbereich und seitlich der Bereich für die Anästhesie. Durch eine mobile Trennwand ist im Heck eine Kontroll-/Überwachungsbereich und Schreibplatz abgegrenzt. Der Zugang erfolgt für die Patienten und Tragen durch die große Doppelflügeltür am Heck, Ärzte, Personal und Betreuer können eine zweite seitliche Tür im vorderen Bereich nutzen. Der Container alleine ist 6,90m lang und hat eine Breite von 2,40m. Die Höhe des Containers ist 2,60m.

  • Zwei Fahrtragen aus dem Rettungsdienst für die Patiententransport und die Behandlung
  • Mobiles Behandlungscart mit Turbine, 2 Motoren, Multifunktionsdüse und 2 Saugern
  • Lachgas- und Narkosegerät
  • Multifunktions-Überwachungsmonitor inkl. Gasmessung für die Anästhesie
  • Mobiles handgehaltenes Kleinbild-Röntgengerät zum Einsatz im Heim und Container
  • Sämtliche zahnärztliche Instrumente und Materialien für die konservierende, chirurgische und prothetische Zahnheilkunde
  • Klimatisierung und Heizung

Das Team Dr. Blum & Partner, Hausärzte und/oder zahnärztliche Kollegen im nahen Umfeld einer Pflegeeinrichtung nehmen quartalsweise die Kontrollen und Sichtungen der Patienten vor. Nach der Feststellung eines Behandlungsbedarfs, wird im ersten Schritt die Behandlungsdurchführung mit Heim, Angehörigen und Hausarzt besprochen und ggf. mit dem Anästhesieteam ein Behandlungstermin geplant und terminiert. An dem Tag werden dann alle notwendigen und vereinbarten Maßnahmen ortsnah im Container durchgeführt und der Patient versorgt. Durch die Kooperation mit anderen Kollegen kann das fachzahnärztlich und anästhesiologisch besetzte Zahnmobil einen weiten Bereich an Einrichtungen anfahren und viele Patienten versorgen. Bisher gibt es keine vergleichbare Einrichtung.

Kleine finanzielle Unterstützung gibt es vom Rhein-Lahn-Kreis 10.000€ und vom Land Rheinland-Pfalz 15.000€. Diese stehen den Gesamtkosten von 160.000€ gegenüber. Die Entwicklung und Installation des Zahnmobils wird privat organisiert, getragen und von der Praxis Dr. Blum & Partner betreut.

Die Innovation steckt in der Umkehr der Zugänglichkeit zur zahnärztlichen Versorgung und dem Aufbau entsprechender technischer Gegebenheit: Ärzte, Assistenzen und Praxis kommen zur Therapie zum Patient. Durch die mobile Behandlungseinheit wird der übliche klinische Fach- und Hygienestandart dem “immobilen Patienten” im ländlichen Raum zugänglich gemacht und eine deutliche Verbesserung der Grund- und Regelversorgung gesichert. Durch die gezielte Kooperation mit weiteren Kollegen/Heim-Zahnärzten und Hausärzten wird eine Triage und Selektion getroffen, so dass das Zahnmobil einen weiten Einzugsbereich bedienen kann. Durch die gewonnenen Einsatzerfahrung kann der Erfahrungsschatz über Fachgesellschaften, Fachpresse und andere Organe kommuniziert und so Kollegen ermutigt werden, dem Beispiel durch ähnliche Konzepte zu folgen. Dies wäre ein weiterer Wunsch/ein weiteres Ziel, viele Nachahmer für dieses Projekt zu motivieren bzw. zu begeistern.

Kommunikationsstelle des Zahnmobils ist der zentrale Koordinator in der Praxis (Dr. Blum & Partner in der Paracelsus-Klinik in Bad Ems). Nach der Feststellung eines Behandlungsbedarfs bei einem Patienten durch das Heim-/Pflegepersonal, dem Heim-Zahnarzt oder Hausarzt wird über den Betreuer der Kontakt mit dem Koordinator (also uns) aufgenommen. In der Praxis erfolgt das Zusammentragen aller medizinischen Informationen und die Planung der notwendigen Behandlungen. Dem Bedarf angepasst erfolgt dann die personelle und materielle Ausstattung des Zahnmobils für den Einsatz vor Ort. Die erste Kontaktaufnahme muss auf Grund der DSGVO über die Pflegeeinrichtung vom Patienten oder Betreuer ausgehen. Die Behandlungsdokumentation erfolgt zudem in Karteikarten anlog, um im Fall von technischen EDV-Problemen immer noch handlungsfähig zu sein.

Zu den bekannten Prozessen des QM wurden und werden spezielle Ablaufstränge an die spezifischen Anforderungen des Zahnmobils erarbeitet. Dies betrifft Kommunikationswege zwischen Heim, Patient und Praxis, technische Abläufe zur Materialbeschaffung oder Aufbau-/Abbau des Containers am Standort oder die eigentliche Patientenversorgung im Zahnmobil. In der täglichen Arbeit auffallende Punkte werden in den nachfolgenden festen Einsatz-Nachbesprechungen (After-Action-Report) besprochen und in die Prozess-kette eingepflegt.

Durch die Umkehr der Wege wird zum ersten Mal eine verfügbare Behandlung unter gleichen Standards sichergestellt. Auf Basis der Daten der KZV RLP 2018 werden rund 45.000 Patienten in Rheinland-Pfalz (ohne die  Bewohner von Behinderteneinrichtungen) von einer flächendeckenden Einführung solcher mobilen Systeme profitieren. Bei einem regelmäßigen Einsatz (1x/Woche) ist von einer Amortisierung  inkl. laufender Kosten in 5 Jahren zu rechnen. Statistische Zahlen zu Behandlungen, Material-und Honorarumsatz werden über die Praxisabrechnung nachgehalten und sind täglich abrufbar. Erste Erkundungen in Alten- und Pflegeeinrichtungen haben in 80 Prozent der untersuchten Patienten einen dringlichen oder sofortigen Behandlungsbedarf ergeben.

Dr. Blum & Partner

  • Taunusallee 7–11
  • 56130 Bad Ems
  • Tel.: 02603 936 25 90
  • Mail: info@oc-blum.de

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